Anbetungsvolle Gesten, sich umklammernde Hände, mal Kraft suchend, mal loslassend, ob noch streichelnd oder schon vereinigt, sanft oder wild zusammenkommend – dieses Wechselbad von einladenden Weichbildern, heißer Studioschärfe und natürlicher Sommerhitze will Beteiligung, eine Konzentration der Hingabe. Die Muskelspannung wird greifbar und das Ineinandergleiten drängend – „In flagranti“, Norbert Guthiers neuer Fotoband, öffnet das Spannungsfeld zwischen Ästhetik und Vitalität, zeigt das im Dunkel Liegende und das grell beleuchtete pralle Leben. Mal richtet sich die Kamera fordernd auf etwas und leitet an, mal ist sie wie selbstverständlich „nur“ dabei und nimmt mit.
Einzigartig ist, dass ich bei keinem Motiv mehr oder weniger als genau diese Entfernung von den Modellen einnehmen möchte, die Distanz, die ich dem Fotografen zuschreibe. Der Wechsel zwischen dem Schon-Posieren und Noch-Zulassen, zwischen dem geradezu aktiven Hinzuziehen der Kamera und dem Fotografen als bald vergessenem Begleiter, diese Bandbreite verwirklicht Norbert Guthier.
Marcus Jensen
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